Das Forschungsinstitut Economist Impact hat im Bericht „Sustainable disruption: 12 decarbonising technologies for cities“ im Auftrag der internationalen Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke untersucht, welche Technologien den CO₂-Fußabdruck der Städte und damit die Emissionen weltweit am effektivsten und effizientesten reduzieren können. Der Hebel im urbanen Bereich ist groß, da Städte derzeit mehr als zwei Drittel der weltweiten Energie verbrauchen und für mehr als 70 Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich sind.
   
In der Studie hat Economist Impact insgesamt 26 Dekarbonisierungs-Technologien untersucht und sich in der Bewertung auf die zwölf vielversprechendsten konzentriert. Das Research-Team hat deren aktuelle Nutzung und die Höhe der Investitionen in zehn Städten weltweit bewertet, die aufgrund ihrer relativ hohen Treibhausgasemissionen ausgewählt wurden und weil sie sich alle dazu verpflichtet haben, den Netto-Nullpunkt zu erreichen. 

Im Fokus: die Sektoren Gebäude und Bauwesen, städtische Infrastruktur sowie Verkehr

Dem Bericht zufolge werden Technologien, welche die Effizienz in den drei Schlüsselsektoren Gebäude und Bauwesen, städtische Infrastruktur sowie Verkehr fördern, die größten Auswirkungen auf die Dekarbonisierung der Städte haben. 
Dazu gehören hocheffiziente Wärmepumpen, Fernwärme- und Fernkühlungssysteme sowie intelligente Netze und intelligente Stromzähler, welche die Energieeffizienz verbessern. 
Die im Entstehen begriffenen „intelligenten“ Technologien (wie autonomes Fahren, Mobility as a Service und Digital Twins) könnten ebenfalls die Treibhausgasemissionen verringern. Allerdings sind die Belege für ihre Wirksamkeit noch lückenhaft und es bedarf einer gründlicheren Forschung. Fest steht laut Studie: die Wirkung dieser Technologien würde erheblich verstärkt, wenn sie mit erneuerbaren Energiequellen betrieben würden.

Für alle Technologien gilt: es sind höhere öffentliche und private Investitionen sowie mehr rechtliche, politische und finanzielle Anreize erforderlich. In den zehn untersuchten Städten waren nur für durchschnittlich 16 der 26 untersuchten Technologien politische Maßnahmen verfügbar.
Fehlende politische Anreize wirken sich beispielsweise auf die Verbreitung von kohlenstoffarmen Zement- und Betonalternativen aus. Zement ist gemessen an der Masse das größte Produkt der Welt und verursacht 8 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen. Ein Gegenbeispiel: bei der Verbreitung von intelligenten Zählern und Netzen haben nationale Ziele und politische Unterstützung eine wichtige Rolle gespielt. 

Andere Technologien, die ein hohes Wirkungs- und Skalierungspotenzial haben, für die aber nur geringe Unterstützung bereitgestellt wird, sind Abfallroboter und Vehicle-to-Grid-Technologien (V2G). Öffentliche Mittel haben dazu beigetragen, die Einführung von Wasserstofffahrzeugen, hocheffizienten Wärmepumpen und Fernwärme-/ Kühlsystemen in Gang zu bringen. Sie erfordern jedoch weitaus mehr Investitionen, um in den untersuchten Städten zum Einsatz zu kommen.
High-Tech- und „intelligente“ Lösungen ziehen in der Regel die meisten Investitionen beziehungsweise die größte Anzahl von Investoren an. Dazu gehören Autonomes Fahren, Unified Communications und intelligente Zähler / Netze.
Die wichtigsten Maßnahmen, die nationale und kommunale Regierungen im Gebäude- und Bausektor ergreifen können, sind die Förderung der energetischen Sanierung bestehender Gebäude sowie neue und strengere Standards für Neubauten. 

Alexander Dlouhy, Leiter des Bereichs Dekarbonisierung bei Osborne Clarke in Deutschland: „Das Ziel einer sauberen, gesunden und nachhaltigen Umwelt, die der UN-Menschenrechtsrat erst kürzlich ausdrücklich als Menschenrecht anerkannt hat, erfordert eine deutliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis hin zur Netto-Treibhausgasneutralität. Ein sich entwickelnder rechtlicher Rahmen setzt die Standards, zum Beispiel für nachhaltiges Bauen, CO₂-Bepreisung oder einer Kreislaufwirtschaft. Immer mehr Unternehmen unterliegen Anforderungen, zu ESG-Themen zu berichten oder verpflichten sich hierzu freiwillig. Verordnungen wie die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor und die EU-Taxonomieverordnung zielen darauf ab, Investitionen in nachhaltige Projekte und Unternehmen zu lenken. Kunden und Mitarbeitende fordern von Unternehmen, dass diese ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgen und ihren eigenen Betrieb auf nachhaltige Weise führen.“

Martin Koehring, Senior Manager für Nachhaltigkeit, Klimawandel und natürliche Ressourcen bei Economist Impact: „Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits in urbanen Gebieten – Städte sind Zentren für Klimainnovationen und -lösungen. Die Gespräche auf der COP26 in den letzten Wochen haben deutlich gemacht, dass Investitionen in die Entwicklung urbaner Räume, die besonders anfällig für Klimaauswirkungen sind, für die Klimaanpassung und den Klimaschutz entscheidend sind. Unsere Studie leistet einen wichtigen Beitrag zu dieser Diskussion, indem sie die wirkungsvollsten, skalierbaren und investierbaren Dekarbonisierungs-Technologien im urbanen Kontext bewertet.“

Omar Al-Nuaimi, International CEO von Osborne Clarke, kommentierte: „Regierungen und Stadtverwaltungen müssen alle Register ziehen, um günstige rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen - und, wo möglich, finanzielle Unterstützung - für Unternehmen zu schaffen, die bereit sind, diese wichtigen Technologien einzuführen oder in sie zu investieren.“

James Watson, International Head für Dekarbonisierung bei Osborne Clarke, kommentierte: „Dieser Bericht wurde vor dem Hintergrund der COP26 verfasst und erkennt an, dass es kein Patentrezept für den Klimawandel in Städten gibt. Stattdessen gibt es ein ganzes Arsenal an Technologien, die eingesetzt werden können, um die Notwendigkeit der Dekarbonisierung voranzutreiben. Städte sind von Natur aus mit der notwendigen Konzentration von Aktivitäten, Finanzen und Menschen ausgestattet, um diese Bemühungen voranzutreiben. Die Partnerschaften und die Zusammenarbeit, die für diese Veränderungen erforderlich sind, können jedoch sehr komplex sein und erfordern die Abstimmung unterschiedlicher Interessen und Prioritäten. Neue Beziehungen müssen sektorübergreifend geknüpft werden.“

Claire Bouchenard, Partnerin für IT, IP und Daten bei Osborne Clarke in Frankreich, kommentierte: „Viele der vorgestellten Technologien werden durch Konnektivität, Datenflüsse und Softwaresysteme untermauert. Verträge zur Beschaffung von Technologien können eine weniger offensichtliche Folge einer Netto-Null-Strategie sein. Die digitale Regulierung nimmt an Umfang und Volumen zu, sodass rechtliche und Compliance-Risiken aus der Digitalisierung ebenso Beachtung finden müssen wie die Cybersicherheit des Unternehmens oder einer digitalisierten Lieferkette. Natürlich bringt der Wandel auch außergewöhnliche Chancen mit sich. Die globale Investitionsgemeinschaft konzentriert sich bereits auf Green Tech und Climate Tech. Der Rahmen für geistiges Eigentum wird auch weiterhin Investitionen in Innovationen schützen und dazu beitragen, die Einkommensströme zu sichern, die diese Technologien noch weiter vorantreiben werden.“
 

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